Was ist Tahin Pekmez?
Wer den östlichen Mittelmeerraum oder Anatolien bereist hat, kennt sie meistens vom Frühstückstisch: Eine cremige, braun-marmorierte Paste, die oft anstelle von Marmelade oder Schokoladencreme auf warmes Fladenbrot gestrichen wird. Die Rede ist von Tahin Pekmez.
„Tahin“ ist die bekannte Sesampaste, die reich an ungesättigten Fettsäuren, pflanzlichem Protein und Kalzium ist. „Pekmez“ bezeichnet traditionell eingedickten Fruchtsirup – meistens Traubenmelasse (Üzüm Pekmezi) oder Johannisbrotmelasse (Harnup Pekmezi). Mischt man beide Zutaten, entsteht eine magische Synergie, die weit über den großartigen Geschmack hinausgeht.
Warum diese Kombination physiologisch genial ist
Es ist kein Zufall, dass unsere Vorfahren ausgerechnet diese beiden Lebensmittel kombiniert haben. Wenn man die Nährstoffprofile analysiert, wird schnell klar, dass sie sich perfekt ergänzen:
- Blutzucker-Balance: Melasse ist von Natur aus reich an schnell verfügbarer Energie (Kohlenhydraten). Isst man sie pur, kann der Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Die Sesampaste besteht hingegen größtenteils aus gesunden Fetten und Proteinen. Diese Makronährstoffe verlangsamen die Aufnahme der Kohlenhydrate in die Blutbahn drastisch. Das Ergebnis ist eine langanhaltende, stabile Energie ohne den gefürchteten "Zucker-Crash".
- Nährstoff-Synergie: Melasse ist eine der besten Quellen für pflanzliches Eisen und Kalium. Tahin liefert enorme Mengen an Kalzium, Magnesium und Zink. Zusammen entsteht ein vollumfängliches Mineralstoffprofil, das den Körper bei der Knochengesundheit, der Blutbildung und der Muskelregeneration optimal unterstützt.
- Bioverfügbarkeit: Einige fettlösliche Vitamine und bestimmte Phytonährstoffe benötigen Fett, um vom Darm resorbiert zu werden. Die hochwertigen Fette aus den gemahlenen Sesamsamen wirken hier als idealer Trägerstoff.
Tipp für Veganer & Sportler
Die Mischung eignet sich hervorragend als Pre-Workout-Snack. Sie liegt nicht schwer im Magen, liefert durch die Melasse sofortige Energie und hält durch das Tahin-Protein lange an. Für Veganer ist es zudem eine essenzielle Eisen- und Kalziumquelle.
Das klassische Rezept: Wie wird es gemischt?
Die Zubereitung könnte simpler nicht sein. Du benötigst keine Maschinen, kein Erhitzen und kaum Vorbereitungszeit. Es kommt lediglich auf das richtige Mengenverhältnis an, um die perfekte Balance aus der erdigen, nussigen Herbe des Tahins und der fruchtigen Süße der Melasse zu treffen.
Zutaten:
- 60% Tahin (reine Sesampaste, ohne Zusätze)
- 40% Melasse (ideal ist Trauben- oder Johannisbrotmelasse)
Zubereitung:
Gib das Tahin in eine kleine Schale. Füge die Melasse hinzu. Verrühre beide Zutaten mit einem kleinen Löffel für etwa 30 Sekunden. Zunächst wirkt die Mischung flüssig, doch nach kurzem Rühren binden sich das Fett des Sesams und der Sirup zu einer festen, cremigen Konsistenz, die stark an Erdnussbutter oder Nougatcreme erinnert.
Welche Melasse-Sorte eignet sich am besten?
Traditionell wird für dieses Rezept Traubenmelasse verwendet, da sie eine sehr klare, milde Fruchtsüße mitbringt, die hervorragend mit Sesam harmoniert. Wenn du jedoch den Fokus auf Kalzium und Lungen-Gesundheit legst, ist Johannisbrotmelasse (Harnup) die erste Wahl. Sie bringt zudem feine Kakao-Noten mit in die Mischung.
Tipp: Vermeide extrem herbe Sorten wie Wacholderbeeren-Melasse für dieses Rezept, da ihr intensiver, leicht harziger Eigengeschmack vom Tahin nicht gut ausbalanciert wird.